Der optimale Fernsehauftritt – Interview mit Julia Böhm

 

Julia Böhm
Julia Böhm

Hallo Julia, bitte stell dich meinen Lesern vor!

Ich heiße Julia Böhm und arbeite als TV-Moderatorin und Medientrainerin seit 15 Jahren vor der Kamera (Deutsche Welle TV, N24 wissen, SAT.1 Nachrichten etc.). Mit meiner Familie lebe ich in Berlin und München.

Wie kommt man als Frau in die Berufe vor den Bildschirm? Gibt es grundlegende äußere Bedingungen oder Fähigkeiten die man mitbringen muss?

Für die TV-Moderation gibt es nicht DEN klassischen Berufsweg. Viele sind Quereinsteiger aus bestimmten Fachrichtungen und Frauen oder Männer haben dabei jeweils nicht bessere oder schlechtere Chancen. Die Produzenten haben eine klare Vorstellung, welche Art Persönlichkeit sie für ihr Format suchen und natürlich spielen auch die redaktionellen Fähigkeiten eine wichtige Rolle. Als Moderator erscheine ich ja nicht kurz vor der Show und gehe danach wieder – Themenauswahl, Recherche, Texten beanspruchen vorher ein Vielfaches der eigentlichen Sendezeit. Ich habe zunächst beim Radio gearbeitet und bin dann während einer Fernseh-Hospitanz 1997 eher zufällig zu einem Casting gekommen. Dass ich den Job dann auf Anhieb bekommen habe, hat mich damals selbst überrascht. Aber dieser „Sprung ins kalte Wasser“ war das Beste, was mir passieren konnte. Ob jemand vor der Kamera „Präsenz“ hat, lässt sich sehr schnell erkennen. Der Rest – Lockerheit, Souveränität, die persönliche Note – entsteht erst durch viel Training und Routine.

Als TV-Moderatorin hast du sicher viel Erfahrung mit Maske. Arbeitest du immer mit derselben Visagistin? Wie lange dauert das Styling in der Maske?

Wenn es dann nach all der Vorarbeit ins Studio geht, dann ist die optische Erscheinung natürlich das Entscheidende. Outfit und Makeup sind beides Elemente, für die man sich viel Zeit nehmen muss. (Auch wenn das von Außenstehenden gerne belächelt wird!) Denn die äußere Wirkung eines Moderators bleibt dem Zuschauer tatsächlich viel stärker im Gedächtnis haften als der Inhalt, den dieser präsentiert. Ist für uns Journalisten natürlich ungünstig aber Studien belegen das. Für Schminken und Hairstyling muss ich rund eine Stunde einplanen. Ich arbeite im Sender jeweils mit einem kleinen Pool an Top-Maskenbildnern. Und sie können zaubern! Selbst ein blaues Auge haben sie bei mir schon mal verschwinden lassen – in der Sendung war davon nichts zu sehen….

Gibt es ein Lieblings-Make up-Look? Wie sind die Erfahrungen mit HD-Make up?

Ich bevorzuge insgesamt ein natürliches Makeup, wobei die Augen bei mir gerne kräftig betont werden können. Da hat jeder Gesichtstyp natürlich andere Bedürfnisse. Auffallend ist, dass ich in meiner Anfangszeit in den 90er Jahren keinesfalls nach der Sendung mit dem TV-Makeup auf die Straße gegangen wäre. Viel zu dicke Creme- und Puderschichten – im wahrsten Sinne des Wortes eine Maske! Da haben sich die Produkte in der Zwischenzeit schon extrem verändert. Heute verwenden wir Kompakt- oder Puder-Make up, das draußen bei Tageslicht genauso toll und natürlich wirkt, wie im Studio. HD-Make up ist noch leichter und feiner in die Haut eingearbeitet. Denn die HD-Kamera entlarvt jede kleinste Unebenheit – eine echte Herausforderung für die Maskenbildner.

Neben der TV-Moderation hast du mit der Eventmoderation ein weiteres Geschäftsfeld. Arbeitest du dort auch mit einer Visagistin zusammen oder machst du das Styling selbst?

Beim Event gilt dieselbe Regel wie im Studio: niemals ungeschminkt ans Set! Insofern ist da auch immer eine Maskenbildnerin dabei.

Außerdem bietest du noch Medientraining an. Was wird dort genau gelehrt und welche Rolle spielt das äußere Erscheinungsbild?

Medientraining
Medientraining

In meinem Medientraining geht es darum, Pressesprechern und Führungskräften die wesentlichen Voraussetzungen für einen souveränen und wirkungsvollen Fernsehauftritt zu vermitteln und dann im richtigen Studio zu trainieren. Neben der präzisen inhaltlichen Vorbereitung gerade auf  Krisenthemen spielen dabei die mentale Einstellung, die Körperhaltung und alle sogenannten nonverbalen Signale eine wichtige Rolle. Gestik und Mimik dürfen nicht aufgesetzt wirken sondern müssen souverän sein und zur inhaltlichen Aussage passen. Andernfalls ist weder die Aussage noch die Gesamtwirkung überzeugend. All das lässt sich in einem Medientraining einüben und natürlich trägt auch das äußere Erscheinungsbild – mit Kleidung, Haut und Haar – stark zu dieser Wirkung bei.

Welche Rolle spielt Styling/Schminken für dich im privaten Umfeld?

Lustigerweise bin ich da privat ganz zurückhaltend. Klar, nachdem an meinem Gesicht immer die Profis am Werk sind, bin ich mit meinen eigenen Schminkversuchen im Vergleich natürlich selten zufrieden. Und wenn ich häufig auf Sendung bin, freue ich mich immer über Tage, an denen meine Haut „ungestört“ atmen kann – also höchstens eine getönte Tagescreme. Ohne Wimperntusche und nachgezogene Augenbrauen gehe ich allerdings morgens nur selten aus dem Bad.

Vielen lieben Dank, Julia Böhm, für deine interessanten Einblicke in die Medienwelt! Weitere Eindrücke von deinen Erfahrungen gibt es auf der Homepage www.julia-boehm.tv Viel Erfolg bei all deinen Aktivitäten!

Fotos: Andre Kowalski

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